Therapie und Nachsorge

Brustzentrum

Sprecher:
Prof. Dr. med. Matthias W. Beckmann

Therapie

Die Behandlung der Patientin mit Brustkrebs erfolgt immer interdisziplinär (mehrere Fachgebiete arbeiten kollegial zusammen). Es wird zumeist eine Kombination von mehreren Therapieformen empfohlen.

  • Direkte Operation mit anschließender (adjuvanter) medikamentöser Therapie (Chemotherapie, Antihormontherapie, Antikörpertherapie, Bisphosphonate) und/oder Strahlentherapie
  • Direkte medikamentöse (neoadjuvante) Therapie (Chemotherapie, Antihormontherapie, Antikörpertherapie) mit nachfolgender Operation und/oder Strahlentherapie

Operation

Die Operation ist immer notwendig in der heilbaren Situation. Das Operationsausmaß ist abhängig von klinischen Tumorstadium (durch o.g. Untersuchungen eingeschätzte Tumorausdehnung und Lymphknotenbefall). Falls der Tumorknoten größer 2 cm misst, bestimmte ungünstige Eigenschaften hat oder mehrere Lymphknoten betroffen sind, kann eine direkte medikamentöse Therapie (neoadjuvant) durchgeführt werden, um den Tumor zu verkleinern und vor allem, um zu sehen, ob der Tumor auf die medikamentöse Therapie anspricht.

  • Entfernung des Tumors in Form einer Teilbrustentfernung (Segment, Quadrant). Entfernung des Wächterlymphknotens (Sentinel-Node-Biopsie) oder Entfernung der Lymphknoten aus der Achselhöhle bei tastbarer Vergrößerung
  • Entfernung der Brust (Mastektomie) bei einem großen Tumor, Beteiligung der Haut oder mehrere Tumorknoten an mehreren Stellen in der Brust
  • Wiederaufbau nach Brustentfernung:

    • Kann sofort (primär) bei der ersten Operation oder zu einem späteren Zeitpunkt (sekundär) erfolgen – wann immer die Patientin dies wünscht und die Tumoreigenschaften dies erlauben
    • Wiederaufbau mit Fremdmaterial (Silikonprothese), ggfs. muss hierbei zunächst eine Dehnung der Haut mit einer Expanderprothese erfolgen, um mehr Hautvolumen zu gewinnen. Der Expander wird alle zwei Wochen punktiert und mit einer wasserähnlichen Flüssigkeit aufgefüllt. Später folgt in einer weiteren Operation die Einlage einer endgültigen Prothese.
    • Wiederaufbau einer Brust aus Eigengewebe vom Rücken oder Bauch mit Verlagerung oder Verpflanzung von Haut, Fett- und ggfs. Muskelgewebe

  • Angleichen der Brustgröße

    • Falls bei der Operation der erkrankten Brust ein Ungleichgewicht und eine deutlich kleinere Brust auf einer Seite entstanden ist, kann zu einem späteren Zeitpunkt die gesunde Brust in ihrem Volumen verkleinert werden (Adaptierte Reduktionsplastik).
    • Falls die erkrankte Brust durch eine Brustentfernung mit anschließendem Brustaufbau durch Silikonprothese oder Eigengewebe vergrößert wurde, kann auch die gesunde Seite mit einer Silikonprothese vergrößert werden, um die Brustgrößen wieder anzupassen (Adaptierte Augmentation).

Chemotherapie

  • Nach Erholung der Patientin von der Operation, d. h. 2 – 3 Wochen postoperativ, kann - bei Notwendigkeit - mit der Chemotherapie begonnen werden (falls die Patientin nicht zuvor eine direkte medikamentöse (neoadjuvante) Therapie erhalten hat)
  • Die Kombination mehrerer Medikamente hat sich bewährt. Diese werden an einem Tag über eine Vene ins Blut gegeben mit anschließender Pause von einigen Tagen. Dies wird mehrfach wiederholt.
  • Nebenwirkungen hierbei sind häufig z. B. Haarausfall, Übelkeit, zeitweise Immunschwäche, Gefühlsstörungen an Händen oder Füßen. Diese sind zeitlich begrenzt.
  • Um die Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten, werden z.B. individuell geplant gut wirksame Medikamente gegen Übelkeit oder zur Minderung der Gefühlsstörung gegeben.
  • Durch regelmäßige Blutkontrollen kann eine drohende Immunschwäche frühzeitig erkannt werden und durch entsprechende Verhaltensmaßnahmen und das Immunsystem stimulierende Medikamente überbrückt werden.
  • Die Haare fangen ca. 6 Wochen nach der letzten Chemotherapie wieder an zu wachsen. Für die Zeit während der Chemotherapie erhalten die Patientinnen ein Rezept für einen Haarersatz.
  • Eine Sicherheit zur Gabe des Chemotherapeutikums, für längere Therapien und Erleichterung des Ablaufes der Therapie stellt das PORT-System dar. Der dauerhafte Zugang in die Vene erspart der Patientin mehrfache Venenpunktionen. Es kommt seltener zu Venenreizungen oder Paravasaten. Das PORT-System ist ein kleines Hohlsystem, welches unter der Haut im Bereich der Brustwand unterhalb des Schlüsselbeins seitlich eingepflanzt wird. Dies wird bei Bedarf durch die Haut punktiert. In den Behandlungspausen und im täglichen Leben ist die Patientin in ihrer Beweglichkeit nicht eingeschränkt.

Antihormontherapie

  • Eine Antihormontherapie sollte bei allen hormonabhängigen Tumoren (Östrogen, Progesteron) entweder als alleinige oder nach der Schmerztherapie eingesetzt werden.
  • Tamoxifen®ist ein Antiöstrogen und die Hauptsubstanz für die Behandlung bei Brustkrebs. Antiöstrogene verhindern die Wirkung der Östrogene in der Krebszelle.
    -Junge Frauen vor den Wechseljahren brauchen ggf. zusätzlich als antihormonelle Therapie einen sog. GnRH-Agonisten, um einen künstlichen Östrogenmangel im gesamten Körper entstehen zu lassen. Bei Frauen kurz vor den Wechseljahren kann zur antihormonellen Therapie auch eine operative Eierstockentfernung diskutiert werden.
  • Aromatasehemmer können bei Frauen nach den Wechseljahren eingesetzt werden. Aromatasehemmer verhindern die Östrogenentstehung. Sie werden insbesondere bei Frauen, für die eine Behandlung mit Tamoxifen nicht in Frage kommt (z.B. Z.n. Thrombose, Veränderungen des Endometriums) eingesetzt.
  • Derzeit wird bei Frauen nach den Wechseljahren diskutiert 1.) die Aromatasehemmer sofort als erste Therapiemöglichkeit einzusetzen oder 2.) ein Wechsel zwischen Tamoxifen (2 Jahre) und einem Aromatasehemmer (3 Jahre).
  • Insgesamt beträgt die Dauer der Antihormontherapie mindestens 5 Jahre. Aktuell zeigen die Daten von Studien auf, dass eine zehnjährige antihormonelle Therapie für viele Frauen von Vorteil sein kann.
  • Bei höherem Risiko können die Aromatasehemmer auch nach 5 Jahren Tamoxifen bzw. länger eingenommen werden.

Antikörpertherapie

  • Der Antikörper Trastuzumab (Herceptin®) ist in neueren Studien bei Frauen, die ein hohes Aufkommen des HER2/neu–Rezeptors auf der Tumorzelle hatten, getestet worden. Hierbei handelt es sich um eine Infusionstherapie alle drei Wochen über 1 Jahr. Neuere Studien haben den Vorteil in Bezug auf Rezidive und krankheitsfreies Überleben für die Frauen, die eine Antikörpertherapie erhalten haben bewiesen.
  • Nebenwirkung von Herceptin®beinhaltet die Belastung des Herzmuskels, typische andere Nebenwirkungen wie bei einer Chemotherapie treten nicht auf.

Strahlentherapie (Bestrahlung)

  • Die Strahlentherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Frauen mit Brustkrebs.
  • Sie ist nach einer brusterhaltenden Operation notwendig, da die Bestrahlung die Tumorkontrolle in der Brust deutlich verbessern kann.
  • Im Rahmen von geprüften Studien ist auch eine Teilbrustbestrahlung (Brachytherapie) in bestimmten Fällen möglich.
  • Bei der Brustentfernung muss nur in Ausnahmefällen die Brustwand bestrahlt werden.
  • Bei betroffenen Lymphknoten können in Einzelfällen auch die Abflussgebiete der Lymphknoten bestrahlt werden.

Komplementäre Therapie

  • Bei einer Brustkrebsbehandlung können nach Absprache mit und Information durch die Ärztin bzw. den Arzt komplementäre, alternative oder biologische Krebstherapien neben den schulmedizinischen Therapien eingesetzt werden, um deren Wirkung zu unterstützen, die Abwehrkräfte zu steigern und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Dazu gehören die Ernährungstherapie, Psychotherapie, Einsatz von Mistel und Thymuspräparaten und im weiteren Sinne auch der Einsatz von Enzymen, Sauerstofftherapie, die Behandlung mit Antikörpern und die Impfung mit eigenen Tumorzellen.
  • Die Kombination mit Chemotherapeutika oder der Antikörpertherapie ist häufig wegen der Nebenwirkungen nicht möglich.
  • Besondere Vorsicht ist bei der zeitgleichen Antikörpertherapie zu sehen.
  • Es ist bisher jedoch noch nie in Studien nachgewiesen worden, dass komplementäre Therapien alleine Krebs bekämpfen können.

Nachsorge

  • Die Nachsorge bei Brustkrebs erfolgt nach abgeschlossener direkter Therapie regelmäßig alle 3 Monate in den ersten drei Jahren.
  • Hierbei soll ein Neuauftreten der Erkrankung erkannt werden.
  • Die Nachsorge besteht aus dem ausführlichen Gespräch zwischen Patientin und Ärztin bzw. Arzt über mögliche Symptome und Beschwerden sowie der klinischen Untersuchung. Halbjährlich soll eine Mammographie und Mammaultraschall der erkrankten Seite, jährlich der Gegenseite erfolgen

Info-Film zur Immuntherapie bei Brustkrebs

 
Kontakt

Koordination:

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Stellvertreter:

PD Dr. Carolin Hack
Prof. Dr. Peter A. Fasching

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91054 Erlangen

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E-Mail: brustzentrumatuk-erlangen.de
(werktags 08.00 -- 15.30 Uhr)

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