Niere und Prostata

Forschung beim Nierenzell- und Prostatakarzinom im CCC ER-EMN

Koordinator: Prof. Dr. med. Bernd Wullich

Die Forschungsschwerpunkte des CCC ER-EMN im Bereich des Nierenzellkarzinoms liegen bei translationalen Forschungsansätzen und klinischen Studien. Im Jahr 2009 wurde die Urologische Klinik von der Deutschen Krebsgesellschaft als erstes Universitäts-Prostatakarzinomzentrum in Bayern zertifiziert, was im Rahmen der Zertifizierung zum Onkologischen Zentrum auf die Schwerpunkte Blasen- und Nierenzellkarzinome erweitert wurde. Neben neuen Therapieansätzen, die im Rahmen von klinischen Studien untersucht werden, zielen die translationalen Forschungsaktivitäten auf Verbesserungen in der Früherkennung, Optimierung von Prognosefaktoren und ein grundsätzliches Verständnis der molekularen Grundlagen der Tumorerkrankung.

Prof. Dr. med. Arndt Hartmann, Dr. med. Tilman Rau, Institut für Pathologie, UKER

Die entscheidende Grundlage für die Mehrzahl der translational ausgerichteten Forschungsprojekte ist der Zugang zu klinisch vollständig dokumentiertem Patientenmaterial. Es werden große Anstrengungen unternommen, um nach Möglichkeit alle Nierenzellkarzinome nach der operativen Entfernung in die Tumorgewebebank des CCC ER-EMN einzubringen. Dabei besteht ein besonderes Augenmerk in der strikten Einhaltung von standardisierten Prozeduren zur Gewebeaufarbeitung, um eine hohe Qualität der Gewebeproben zu gewährleisten. In einem konstanten Prozess werden Gewebeproben von Nierenzellkarzinomen zu Kollektionen von Tissue Microarrays zusammengestellt und mit pathologischen Daten sowie klinischen Verlaufsdaten verknüpft. Dies stellt eine Grundlage für die Identifikation von neuen diagnostischen und prognostischen Biomarkern dar.

Prof. Dr. med. Michael Wiesener, Medizinische Klinik IV, UKER

Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich zentral mit der Frage, wie der Mangel an Sauerstoff (Hypoxie) die Genregulation beeinflusst. Prof. Wiesener war entscheidend beteiligt an der Identifikation des VHL-Tumorsuppressors als ein zentrales, sauerstoffabhängiges Steuerelement der Genregulation. Die Arbeitsgruppe untersucht, wie Hypoxie induzierte Transkriptionsfaktoren (HIF) und die von ihnen regulierten Gene das zelluläre Verhalten, speziell von VHL-assoziierten Nierenzellkarzinomen beeinflussen.

Prof. Dr. rer. nat. Jürgen Behrens, Experimentelle Medizin II, FAU Erlangen-Nürnberg

Die Arbeitsgruppe von Prof. Behrens beschäftigt sich ebenfalls mit den Auswirkungen von Hypoxie und Hypoxie-induzierbarer Genexpression. So konnte mit Activin B, einem Mitglied der TGF-β Genfamilie, ein weiteres Hypoxie-induzierbares Gen identifiziert werden, das sowohl in vitro als auch in Tiermodellen einen entscheidenden Beitrag zum aggressiven Wachstumsverhalten von Nierenzellkarzinomen hat.

Prof. Dr. med. Bernd Wullich, Prof. Dr. rer. nat. Helge Taubert, Urologische Klinik, UKER

Die Arbeitsgruppe hat ihren Schwerpunkt in der Identifikation von zellulären und molekularen Biomarkern für die Diagnose und Prognose. Für die Erstellung einer Flüssig-Biopsie-Methode wurden frei zirkulierende Tumorzellen aus peripherem Blut von Nierenzellkarzinom-Patienten isoliert und die Korrelation dieser zirkulierenden Tumorzellen mit negativ-prognostischen Faktoren gezeigt. Für molekulare Biomarker besitzt die Arbeitsgruppe eine Expertise in der Analyse der mikroRNA-Expression. Als mögliche diagnostische Biomarker können mikroRNAs nicht nur zwischen Tumor- und Normalgewebe unterscheiden, sondern als molekular-pathologische Faktoren zur Unterscheidung von Tumor Subentitäten eingesetzt werden.

Prof. Dr. med. Andreas Mackensen, Medizinische Klinik V, Prof. Dr. med. Kerstin Amann, Institut für Pathologie, UKER

Die Stoffwechselveränderungen in Nierenzellkarzinomen und die damit verbundenen immunologischen Konsequenzen stehen im Mittelpunkt der Forschungsinteressen. Viele Nierenzellkarzinome weisen charakteristische Veränderungen des Stoffwechsels, wie eine erhöhte Aufnahme von Glucose und eine verstärkte Ausschüttung des von Milchsäure als Endprodukt der Glykolyse auf. Interessanterweise ist Milchsäure ein sehr effektiver Suppressor von Immunreaktionen. Deshalb besteht das Interesse, zu ergründen, wie Tumor-spezifische Stoffwechselprodukte die Invasion und die korrekte Funktion von Immunzellen verhindern.

Prof. Dr. med. Arndt Hartmann, Dr. rer. nat. Christine Stöhr, Institut für Pathologie, UKER

Die histopathologische und molekulare Identifikation und Charakterisierung von Subtypen eines Tumors stellt eine zunehmend wichtige Fragestellung war, da sich der klinische Verlauf von Sub-Entitäten eines Tumors mitunter dramatisch unterscheiden. Unter Verwendung von erstellten Tissue Microarrays und klinischen Verlaufsdaten werden sowohl histopathologische als auch molekulare Biomarker identifiziert, die eine sichere Zuordnung von Tumor-Subtypen und somit eine präzise prognostische Vorhersage des Krankheitsverlaufs erlauben.

PD Dr. med. Peter Goebell, Urologische Klinik, UKER

Es besteht ein großes Interesse, speziell Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen im Rahmen von klinischen Studien zu behandeln. Um möglichst vielen Patienten den Zugang zu innovativen und neuen Therapieansätzen zu ermöglichen, werden alle Tumorpatienten im interdisziplinären Tumorboard des CCC ER-EMN vorgestellt, um zu ermitteln, in welche klinischen Studien sie eingeschlossen werden können. Eine Übersicht über aktuell laufende und abgeschlossene klinische Studien findet sich auf den Seiten der Urologischen Studienzentrale.

http://www.urologie.uk-erlangen.de/universitaetsmedizin/klinische-studien/

Einige ausgewählte Publikationen (2008-2014) finden Sie hier